Alt, abgedroschen: Das Geschäft mit runden Plastikscheiben

Man hat es nicht leicht als Musikliebhaber. Als ob es nicht schwierig genug wäre, aus einer immer größer werdenden Masse von unterschiedlichsten, größtenteils vollkommen kommerzialisierten und künstlerisch völlig uninteressanten, Veröffentlichungen die Perlen herauszufiltern (die unreflektierte Polemik sei mir verziehen), verlieren sich aufgrund von  auf kurzfristigen Erfolg getrimmten Mastering-Methoden immer mehr Gründe, klangtechnisch hochwertige Musikträger  erwerben; womit der (Miss-)Erfolg von SACD und Musik-DVD im Wesentlichen schon besiegelt wäre.

Nein: mit dem Erwerb von Musik in jedweger materieller, fester Manifestation (als CD, DVD, Vinyl etc.) gilt es größtenteils eine Branche zu unterstützen, diemit archaischen Mitteln versucht, Geld zu schöpfen, und mit noch archaischeren Mitteln, ihre überholten Strukturen aufrechtzuerhalten. Damals nannte man es Wegelagerei, Bestechung und Verleumdung, heute heißt es Vertrieb, Lobbying und PR. Nicht zu vergessen der gute alte Pranger, den man heute als abschreckendes Exempel-Urteil statuieren will.

Doch wie komme ich zu solch einem verbalen Rundumschlag?

Nun, als eine der oben erwähnten Gruppe zugehörige Person bin ich durchaus geneigt, Musikprodukte zu konsumieren. Dabei bleibt es nicht bei einem Bithaufen auf der Festplatte, denn wie so viele schätze ich gut gemachte CD-Cover, und bin wie jeder Mensch geschichtlich bedingt ein Sammler. Auch das entspannte Musikhören über eine höherwertige Anlage (zumindest höherwertiger als 08/15 Computerboxen) bei ausgeschaltetem PC hat etwas an sich. Aus dieser Sicht würde ich gerne Neu- und Alterscheinungen wie diese, oder diese oder diese bei mir im CD-Player begrüßen; auch sehe ich es als gut und billig an, den Künstler für seine Kunst entsprechend zu entlohnen.

Doch geschieht das nicht über den Verkauf von Musik-CDs. Jeder mit grundlegen arithmetischen Fähigkeiten bewanderte Mensch kann sich ausrechnen, wieviele Alben (12€ das Stück) eine 5-Köpfige Band im Jahr verkaufen müsste, damit für jedes Bandmitglied ein vernünftiges Gehalt dabei herauskommt. Exakt, das wäre in Deutschland pro Jahr fast eine Platin-Auszeichnung. Wieviele solcher Auszeichnungen an wen vergeben werden, lässt sich auf der Homepage des deutschen Musikindustrieverbandes leicht herausfinden. Selbige Seite enthält im Übrigen eine Statistik, aus der hervorgeht, dass in den letzten 5 Jahren der CD-Albumabsatz stabil ist, und dank legaler Downloadangebote die Gesamtzahl verkaufter Einheiten gestiegen ist (soviel zum Thema digitale Krise).

Heutige Mittelstands-Künstler, und dazu zählen die meisten national bekannten Bands mit Airplay auf den größten Pop-Sendern, verdienen ihr Geld bei Konzerten, mit Merchandising, mit Werbeverträgen. Als Möchtegern-Insider kann ich behaupten, dass diverse österreichweit bekannte Bands, die schon auf den größten österreichischen Festivals präsent waren, bei einem Konzert mehr verdienen als mit dem gesamten Verkauf aller ihrer Alben bis zu diesem Zeitpunkt. Wenn das keine Ansage ist.

Es ist also nichts als eine glatte LÜGE, wenn seitens der so barmherzigen Musikindustrie behauptet wird, illegales Downloaden schadet besonders kleinen, noch unbekannten Künstlern: genau das Gegenteil ist der Fall. Denn durch die weite Verbreitung ihrer Musik werden mehr Leute erreicht, die die Konzerte besuchen kommen. Von einem Konzertbesucher hat der Künstler wesentlich mehr als vom Verkauf einer CD, auch finanziell gesehen. Der einzige Verlierer ist die Industrie, die von Konzerten nichts abkriegt. Wenn es ihr um den aufstrebenden jungen Künstler gehen würde, müsste sie alles tun, damit seine Songs als MP3 auf jedem iPod des Landes zu finden ist, egal was es koste. Denn die Wahrheit ist: auf Konzerten kaufen Musikfans gerade von unbekannteren Bands/Künstlern CDs, um sie zu unterstützen, um einen Teil von ihnen zuhause greifbar zu haben. Auch, wenn es nur ein paar Klicks bedarf, um die Songs aus dem Netz zu holen.

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