Get Born Again

Eine weitere Band reiht sich in die mittlerweile recht lang werdende Comeback-Liste alter Rockgrößen, die mehr oder weniger erfolgreich eine Wiederauferstehung ihrer Musik und wahrscheinlich auch ihres Bankkontos vor Augen hatten, haben, und haben werden:
Nach Led Zeppelin, die wenigstens den Anstand gewahrt haben, indem sie nur ein (extrem gelungenes) Reunion-Konzert mit neuem Drummer ablieferten, Dinosaur Jr., die erstmals wieder in Urbesetzung grandiose Alben am Fließband abliefern, als ob es niemals eine Trennphase gegeben hätte, oder Faith No More, aber auch einer Reihe von Lächerlichkeiten wie Queen, die es nicht mal beim Albumtitel geschafft haben, das Fehlen des kreativen Geistes und genialen Sängers Mercury zu vertuschen („The Cosmos Rocks“ …. WTF!?), The Smashing Pumpkins, bei denen neben 7 gekauften Musikern nur noch Billy Corgan ins Mikro nuschelt oder Rage Against The Machine, die wohl aus finanziellen Mangel (Fuck the System!) wieder einige Konzertrunden drehen mussten, tritt auch Alice In Chains ins Reunion-Theater ein. (Für den letzten Satz verleihe ich mir selber den Kant-Award.)

Das Quartett aus Seattle, in den 90ern im Zuge der Grunge-Welle weltberühmt geworden, obwohl sie mit Nirvana nur die Herkunft teilen, wurde Jahre nach dem tragischen Tod von Sänger und Frontman Staley durch William DuVall komplettiert. Und nun liegt offiziell das erste kreative Ergebnis der Geschichte in Form einer Single vor:

Nun. Nicht, das mich der Sound nicht ansprechen würde. Allerdings klingt das doch eher nach einem Jerry-Cantrell-Soloalbum als nach AiC. Warum? Jerry hat zum überwiegenden Teil die Musik für AiC geschrieben, auch viele Texte stammen aus seiner Feder. Neben seiner Gitarrenarbeit war es jedoch die Stimme Staleys, die deren Musik in hohem Maße geprägt und ihn zur Identifikationsfigur gemacht hat. Deshalb funktioniert der Trick von AC/DC und Van Halen, mit neuem Sänger weiterzumachen, nur bedingt: Bei den genannten sind es jeweils die Gitarristen, die das Bild der Band prägen. Abgesehen davon, ist es schon gewagt, eine 7-Min Single zu präsentieren, die vom kreativen Teil auf vier bis maximal fünf Minuten zu stutzen wäre, ohne an musikalischer Aussage zu verlieren. Dass Länge nicht auf Qualität oder Komplexität schließen lässt, haben nicht zuletzt Metallica mit St. Anger mehr als deutlich bewiesen.

Was nicht heißen soll, dass der neue Song schlecht ist – im Gegenteil. Er ist gut. Aber das ist, nach allem was Alice In Chains im Laufe der 90er veröffentlicht haben, einfach verdammt zu wenig, um eine Reunion, insbesondere im Anbetracht der Lücke, die Staley hinterlassen hat, rechtzufertigen. Von mir hagelt es daher schweren Herzens leider ein FAIL, auch wenn ich mir den Song durchaus des öfteren anhören werde.

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: